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Less is more – ein Hoch auf das Weglassen & Fokussieren

Skitourengeherinnen vor Bergkulisse

Manchmal müssen wir einen Schlussstrich ziehen und uns wieder auf das Wesentliche fokussieren. Wie wir wieder mit weniger leben, worauf wir uns stattdessen konzentrieren und was unsere Autorin Lisa an sich selbst ausprobiert hat, liest du hier. 

Inhaltsverzeichnis

Das Wichtigste in Kürze:

  • Nach intensiven Phasen von Konsum, Verpflichtungen und Reizüberflutung wächst oft das Bedürfnis nach Reduktion und innerer Ruhe.

  • Bewegung, Achtsamkeit und bewusste Pausen helfen, wieder in Kontakt mit dem eigenen Körper und Geist zu kommen.

  • Enge Freundschaften und soziale Kontakte wirken stressreduzierend, stärken das emotionale Wohlbefinden und fördern langfristig die Gesundheit.

  • Zeit in der Natur unterstützt nachweislich Stressabbau, mentale Erholung und Ausgeglichenheit.

  • Weniger Kurzvideos und mehr ruhige, lange Aktivitäten wie Lesen oder Gespräche fördern Fokus, innere Regulation und nachhaltiges Wohlbefinden.

Gehts dir auch so? Nach Weihnachten habe ich immer das dringende Bedürfnis alles zu reduzieren. Nach den Feiertagen erst einmal die sozialen Kontakte. Mit Familienbesuchen und Weihnachtsfeiern wird mir das irgendwann zu viel. Im Anschluss daran muss ich ausmisten. Die Wohnung aufräumen, die Abstellkammer aussortieren oder Kleidung, Dinge, Überflüssiges bei Vinted verkaufen. Bis dann die Zeit zwischen den Jahren vorbei ist. Bis ich wieder im Alltag angekommen bin, sich die To Do-Liste in die Länge zieht und die ersten Kindergeburtstage anstehen. Tschüss Reduktion, hallo volle Welt. 

In diesem Jahr habe ich mir für die Zeit „danach“, die Zeit nach „zwischen den Jahren“, dem Alltag, etwas anderes vorgenommen. Ich möchte mit weniger leben, mich wieder fokussieren. Doch wie stelle ich das an? Auf was verzichte ich und wie löst man in der heutigen Konsumgesellschaft das Gefühl von Zufriedenheit wieder aus. Zufriedenheit, die von innen kommt und nicht im Außen von etwas Materiellem initiiert ist. Ein paar Ideen habe ich schon und die würde ich euch gerne vorstellen: 

In den Körper kommen

Mein erster Ansatz: in Bewegung kommen. Ich melde mich bei meiner gewohnten Pilates und Functional Movement Plattform zu einer 3-wöchigen Challenge an. „Start strong“ ist das Motto. Und das will ich. Ganz unabhängig vom Aussehen. Ich will in meine Kraft kommen. Körperliche Bewegung stärkt schließlich Muskeln, Knochen und Herz-Kreislauf-System, fördert die Durchblutung und setzt Endorphine frei – die natürlichen Wohlfühl-Botenstoffe. Sie unterstützt zudem die Regeneration, steigert Energie und Leistungsfähigkeit im Alltag und wirkt so auf Körper und Geist gleichermaßen positiv.

Und? Ja, anstrengend, würde ich antworten. Unter den Sessions sind Hayden, die Trainerin, und ich keine Freundinnen. Doch danach kommt das gewohnte After-Anstrengungs-High. Bedürfnisse nach Mehr habe ich danach tatsächlich nicht mehr. Wirkt also. 

Freeriderin bei der Abfahrt
Bewegung in der Natur, wie zum Beispiel Skifahren, hat gleich doppelt positive Wirkungen auf Körper und Geist. Foto: sportingWOMEN

Den Geist erkunden

Der Körper wäre nichts ohne den Geist, der in ihm wohnt. Also, kommt als nächstes die Yoga- und Meditations-Challenge. Ja, beim Schreiben merke ich es selber, könnte nach Kompensation klingen. Weglassen und reduzieren hört sich irgendwie anders an. Und doch bringt es mich dahin, wo ich schon lange nicht mehr war. Ich übe mich wieder darin da zu sein. Still zu sitzen und nur zu atmen. Mit den Gedanken in meinem Kopf auf einer Matte zu sitzen und sie wie in einem Kino auf der Leinwand vorbeiziehen zu sehen. Muss man üben, das mache ich gerade. Andere Bedürfnisse habe ich dadurch nicht. Das ist neben Kinderbetreuung eher ein 24/7-Job.

Aber dafür sehr effektiv: Yoga und Meditation fördern nachweislich die mentale Klarheit, Konzentration und emotionale Ausgeglichenheit. Durch bewusstes Atmen, Körperhaltungen und Achtsamkeitsübungen wird das parasympathische Nervensystem aktiviert, Stresshormone wie Cortisol sinken, und die innere Ruhe nimmt zu. Regelmäßige Praxis stärkt außerdem die Selbstwahrnehmung, reduziert Grübeln und unterstützt, Gedanken und Emotionen bewusster wahrzunehmen, ohne von ihnen überwältigt zu werden.

Freundschaften & soziale Kontakte pflegen

Wo ich bewusst nichts reduziere, sondern sogar ein bisschen mehr Action einlade sind Freundschaften. Denn hey, wenn wir alleine zuhause sitzen, was machen wir da? Na klar, irgendwann doch im Internet hängen bleiben und uns berieseln lassen. Also, raus auf die Straße und mit Freund:innen Unfug machen. Machen wir eh viel zu selten. Einfach nur zusammen sein, ratschen und die Welt für einen Augenblick Welt sein lassen.

Dürfen und sollten wir viel öfter machen. Schließlich wirken sich enge Freundschaften und soziale Kontakte nachweislich positiv auf unsere Gesundheit aus. Positive soziale Interaktionen reduzieren Stress, stärken das emotionale Wohlbefinden und senken das Risiko für Depressionen. Neurobiologisch aktivieren sie das Belohnungs- und Bindungssystem des Gehirns, unter anderem über Botenstoffe wie Oxytocin und Dopamin. Soziale Nähe vermittelt Sicherheit, Zugehörigkeit und Sinn und wirkt damit als wichtiger Schutzfaktor gegen chronischen Stress. Langfristig sind stabile soziale Beziehungen sogar mit besserer körperlicher Gesundheit verbunden.

Meine Freundinnen und ich haben uns deswegen zwischen Job, Alltag und Familie einfach feste Termine in den Kalender gesetzt. 

Gruppe an Frauen bei Sporting Women Camp
Soziale Kontakte gegen Stress und für unser emotionales Wohlbefinden? Da sind wir gleich dabei! Foto: sportingWOMEN

Bewusste Zeit in der Natur

Und eh klar, wenn wir schon beim Dopamin sind, wo bekommen wir das am besten her? Aus der Natur. Deswegen Schuhe an, aufs Fahrrad setzen oder ab zum Spazieren in den Wald. Denn zahlreiche wissenschaftliche Studien belegen, dass der Aufenthalt in der Natur positive Effekte auf unseren Körper und unsere Psyche hat. Natürliche Umgebungen, wie beispielsweise Wald, senken nachweislich Stressparameter wie Cortisol, den Blutdruck oder die Herzfrequenz und reduzieren die Aktivität stressverarbeitender Hirnareale. Zeitgleich werden Entspannungsprozesse im parasympathischen Nervensystem gefördert. Das wirkt bei uns stimmungsaufhellend, angstlösend und kann so das allgemeine Wohlbefinden wie auch die mentale Gesundheit verbessern. Die Natur kann zudem die Regeneration unserer kognitiven Ressourcen unterstützen, da sie unsere Aufmerksamkeit auf sanfte, nicht überfordernde Weise bindet.

Insgesamt wirkt Natur damit auf mehreren Ebenen gleichzeitig: Sie reduziert Stress, unterstützt geistige Erholung und kann Motivation sowie Wohlbefinden nachhaltig stärken. Und das macht uns ausgeglichener. 

Frau liest Buch und trinkt Tee
Bücher zu lesen, fordert nachhaltig unsere Konzentrationsfähigkeit und bringt uns dazu weniger am Handy zu hängen. Foto: Canva

Unseren Medienkonsum verändern

Jetzt kommen wir zu einem besonderen Fall, wo wir oft in die Zu viel-Falle tappen: Daddeln am Handy und stundenlang Kurzvideos auf Instagram oder TikTok verschlingen.

Auch unser Medienkonsum beeinflusst nachweislich Fokus und Wohlbefinden. Eine aktuelle systematische Meta-Analyse mit über 98.000 Teilnehmenden zeigt, dass intensiver Konsum von Kurzvideos mit deutlich eingeschränkter Aufmerksamkeitssteuerung und Impulskontrolle verbunden ist. Durch permanente Hochstimulation und schnelle Belohnungsreize passt das Gehirn seine Reizschwelle an, wodurch langsame, kognitiv anspruchsvolle Tätigkeiten wie Lesen, tiefes Denken oder längere Gespräche subjektiv anstrengender wirken.

Längere, ruhige Aktivitäten hingegen fördern nachhaltige Konzentration sowie innere Regulation und wirken damit wie ein Gegengewicht zur dauerhaften Reizüberflutung digitaler Kurzformate.

Was heißt das für uns? Bücher lesen. Filme schauen. Und nicht nur von einem zum nächsten Content jagen.

Mein persönlicher Tipp, wo du alle meine Ideen für „mit weniger leben“ ausprobieren kannst? Bei einem unserer sportingWOMEN Camps. Wie zum Beispiel das Winter Camp vom 15. – 18. März 2026 in Nauders. Dort wird auch Linda Meixner dabei sein und einen Workshop halten zum Thema “Abgrenzen in einer Welt, die nie abschaltet” Von der Reizflut zur Regeneration: Ein neuer Umgang mit Smartphone, Social Media und Co.

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Laufen, Radfahren oder Bergsport: Hier findest du alles rund um dein Hobby, deine Auszeit und deine sportlichen Lieblingsthemen! Gemeinsam mit den sportingWOMEN-Markenbotschafterinnen sowie weiteren Sport-Expertinnen inspiriert und motiviert die #strongHER-Redaktion mit spannenden Storys, Tipps und mehr.

Lisa Amenda

Lisa Amenda

Lisa Amenda studierte in München und Innsbruck Geographie, weil sie ursprünglich mal lieber draußen statt drinnen arbeiten wollte. Ihre Liebe zum Schreiben hat sie dann doch vor den Computer gebracht. Deswegen schreibt sie heute für diverse Outdoor- sowie Skimagazine und ihren Blog Wild Recreation über Nachhaltigkeit, Outdoorsport und die Beziehung zwischen Mensch und Natur.

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