Kann man von der Mountainbikerin zur Läuferin werden? Unsere Autorin Lisa probiert es gerade aus und stellt dir hier ihre ersten Erkenntnisse aus ihrem neuen Leben in Laufschuhen vor.
Inhaltsverzeichnis
Das Wichtigste in Kürze
1. Mindset: Laufen beginnt im Kopf
Regelmäßigkeit schlägt Perfektion. Wer sich selbst als Läuferin sieht, bleibt langfristig dran.
2. Inspiration nutzen
Motivierende Geschichten – etwa aus Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede – zeigen: Jeder kann mit dem Laufen beginnen.
3. Langsam starten
Beginne mit Intervallen aus Gehen und Laufen. So gewöhnst du deinen Körper schonend an die neue Belastung.
4. Abwechslung ins Lauftraining bringen
Trails, Hügel, Treppen oder neue Strecken steigern Motivation und verbessern deine Ausdauer.
5. Lauftechnik verbessern
Mit Lauf-ABC (z. B. Skippings oder Anfersen) läufst du effizienter und beugst Verletzungen vor.
6. Die richtige Laufbekleidung wählen
Bequeme, funktionale Kleidung macht das Laufen angenehmer – teste, was zu dir passt.
7. Laufschuhe professionell auswählen
Eine Laufanalyse hilft dir, die passenden Schuhe zu finden und Schmerzen zu vermeiden.
8. Realistische Laufziele setzen
Ob 5 km, 10 km oder schneller werden – klare Ziele steigern Motivation und Fortschritt.
9. Spaß am Laufen behalten
Genieße Bewegung, Natur und Freiheit – so bleibt Laufen langfristig Teil deines Lebens.
Vor ein paar Jahren war mein Standardsatz: „Ich brauche immer ein Sportgerät unter meinen Füßen, egal ob Ski oder Mountainbike.“ Laufen? Auf keinen Fall. Zu langsam. Zu langweilig. Zu wenig Lisa. „Ich bin einfach keine Läuferin“, war schließlich meine zweite Antwort auf die Frage nach meinen Lieblingssportarten. Doch insgeheim habe ich Läuferinnen immer beneidet. Ich fand es doof, dass mir das irgendwie zu anstrengend war. Dass ich nicht einfach von der Haustüre los laufen konnte und mein Geist anscheinend nicht in der Lage war mit mir durch den Wald zu laufen. Auf der Yogamatte sitzen und meditieren ging doch auch.
So startete ich immer wieder neue Versuche. Fünf Kilometer an der Isar entlang joggen – ja, passt schon. Die Isartrails machen aber irgendwie doch mehr Spaß. So hatte ich über die Jahre vielleicht fünf bis zehn Läufe pro Jahr, maximal. Die Radkilometer hingegen summierten sich seit Jahrzehnten unaufhörlich auf. Und nach der Geburt meines Sohnes? Brachen sie rapide ein. Als Baby war es schwierig ihn woanders zu lassen, selbst für eine Stunde. Außerdem nervte mich zunehmend das Equipment. Ich schleppte den ganzen Tag so viel Baby- und Kinderkram mit mir herum, dass ich mich nach mehr Einfachheit und Minimalismus sehnte. Und so kreiste der Cursor meiner Maus immer wieder über neue Laufschuhe. Bis ich schließlich auf Kaufen klickte. Und es seit drei vollen Monaten durchziehe mehrmals die Woche diese Schuhe zu schnüren und vor die Türe zu gehen.
Und kurzes Update: Es läuft. Oder kann ich sagen, ich laufe? Wie ich das geschafft habe, wie ich angefangen habe und wo ich noch hin möchte, das verrate ich euch in meinen Tipps.
Tipp 1: Ich laufe, also bin ich
Wenn ich ans Laufen denke, habe ich ein ganz klares Bild vor mir: Ich will athletisch über Trails sprinten. Dass das nach drei Monaten noch nicht so aussieht, kannst du dir wahrscheinlich vorstellen. Aber Konstanz ist der Schlüssel. Da ich beim Laufen vor allem immer mit mir selbst gehadert habe, habe ich in erster Linie meinen Kopf trainieren müssen. Ich habe mir immer wieder vorgesagt: „Menschen sind zum Laufen gemacht. Ich bin ein Mensch, also kann ich das auch!“ Und so bin ich mit diesem Mantra in die ersten Läufe gestartet.
Tipp 2: Inspiration holen
Geschichten von anderen Sportlerinnen und Sportlern faszinieren mich und inspirieren mich vor allem auf meinem eigenen sportlichen Weg. Beim Laufen war es ähnlich. Ich habe das Buch „Wovon ich rede, wenn ich vom laufen rede“ von Haruki Murakami gelesen. Dort erzählt der Romanautor von seiner eigenen Reise zum Läufer. Wie er angefangen hat und wie er es schafft jedes Jahr einen Marathon und einen Triathlon zu absolvieren. Und so schon 25 Marathons gelaufen ist!
Tipp 3: Langsam starten
Ich geb’s zu, ich habe mir am Anfang Hilfe gesucht und mich in Laufmagazinen und bei ChatGPT durch Trainingspläne gewühlt und dann eine ehemalige Kollegin gebeten mir Tipps zu geben. Für mich hieß das am Anfang: 5 Minuten langsam einlaufen, dann 2 Minuten laufen, 1 Minute gehen im Wechsel, sechs Runden davon und zum Schluss wieder auslaufen. Ich habe direkt gemerkt, dass meine Grundlagenausdauer mehr hergibt und meine Zeiten individuell angepasst. Das hat mir aber geholfen mich auf die ungewohnte Bewegung und Belastung auf meinen Körper langsamer anzupassen und mich langsam zu steigern. Der nächste Schritt waren 30 Minuten durchlaufen und mittlerweile laufe ich nach Distanz.
Deswegen: Hol dir Unterstützung durch eine Lauftrainerin oder in Laufmagazinen.
Tipp 4: Abwechslung reinbringen
Falls du, wie ich, vom Mountainbiken kommst, liebst du wahrscheinlich schmale, abwechslungsreiche Trails. Forstweg-Autobahnen können deshalb schnell langweilig werden. Und so gehts nicht nur deinem Geist, sondern auch deinem Körper. Um dich weiterzuentwickeln ist deshalb Abwechslung entscheidend. Ich habe zwar meine feste Laufstrecke vor der Haustür, variiere aber immer wieder. Baue Umwege ein, Treppenläufe, kurze Bergläufe oder erkunde neue Viertel in der Stadt. So laufe ich 1-2 Mal meine feste Runde und einmal die Woche etwas ganz anderes.
Tipp 5: Technik verfeinern
Als ich gestartet bin, habe ich gemerkt, dass meine Lauftechnik irgendwie nicht die effizienteste ist. Meine Hüfte war zu tief, als würde ich immer noch auf dem Rad sitzen. Irgendwie fühlte sich auch alles schwerfällig an. Um das zu ändern habe ich mich intensiver mit Lauftechniken beschäftigt und streue jetzt einmal die Woche eine Einheit Lauf-ABC ein. Hopserlauf, Skippings oder Anfersen bringen außerdem Abwechslung.
Dazu kann ich dir auch unseren Beitrag zum Lauf-ABC empfehlen: Lauf-ABC: 5 Übungen für eine bessere Lauftechnik
Tipp 6: Passendes Equipment
Obwohl ich die Einfachheit des Laufens liebe, braucht es trotz allem Equipment das passt – und das keine Kompromisse eingeht. Anfangs hatte ich Laufshorts, die immer hochgerutscht sind, meinen viel zu großen Schlüsselbund, der in meiner Jackentasche geschlackert hat oder war viel zu warm angezogen. Denn was beim Biken passt, passt vielleicht nicht ganz so gut beim Laufen. Doch da das Equipment so individuell ist, hilft nichts als durchprobieren und für sich selbst das passende zu finden.
Tipp 7: Laufschuhe von der Expertin
Und wenn wir schon beim Equipment sind: Es gibt ein Teil, ohne das beim Laufen nichts geht. Klar, die Schuhe. Wie oben erwähnt, habe ich meine im Internet bestellt. Der Shop meines Vertrauens hatte die Schuhe, die auf meine Bedürfnisse passten. Oder vielleicht doch nicht?! Denn nach kurzer Zeit taten mein linkes Knie und Sprunggelenk weh. Also habe ich mir einen Termin zur Laufanalyse gemacht und mich von einer Expertin vor Ort beraten lassen. Siehe da, mein Gefühl hat sich bestätigt und meine Schuhe passten nicht perfekt zu meinen Füßen. Bei der ersten Analyse auf dem Laufband zeigte sich, dass meine Sprunggelenke in den Schuhe leicht nach innen knicken. Meine Beraterin suchte das erste Modell, das sie für passend hielt und hat damit schon den Jackpot gezogen. Die Videoanalyse zeigte kein Knicken mehr, meine Sprunggelenke waren stabil und auch ich hatte beim Outdoortest ein sehr gutes Gefühl. Die zwei anderen Modelle, die sie mir im Anschluss zeigte, konnten nicht annähernd mithalten.
Es wurde also das erste Modell und der erste Testlauf zuhause fühlte sich gut an. Ich bin gespannt wie es weitergeht.
Deswegen mein Tipp an dich: Steigst du neu ins Laufen ein, hole dir Tipps von Expert:innen und lass’ dich in einem Fachgeschäft ausgiebig beraten. Meine Beraterin hat sich über 30 Minuten nur Zeit für mich genommen.
Tipp 8: Ziele setzen
Mittlerweile habe ich es geschafft und ich komme in dieses sagenumwobene Runner’s High. Manchmal laufe ich einfach nur so vor mich hin, lasse die Gedanken kreisen und genieße das Draußensein. Und da das alles so gut läuft und mir Spaß macht, habe ich angefangen mir sportliche Ziele zu setzen: Mein erstes Ziel, 10 Kilometer zu laufen habe ich letzten Sonntag erreicht. Und jetzt? Will ich die 10 Kilometer unter einer Stunde laufen und im nächsten Schritt auf 15 Kilometer erweitern. Mir fallen lange Distanzen und Ausdauereinheiten aber auch leicht, mein Körper scheint dafür gemacht. Vielleicht bist du ja eine Sprinterin und setzt dein Ziel eher auf Schnelligkeit oder vielleicht willst du deine ersten 5 Kilometer laufen. Ziele sind, genauso wie Läuferinnen, ganz individuell und jede darf sich ihre eigenen stecken.
Tipp 9: Spaß haben
Mein Tipp zum Schluss? Spaß haben! Denn was bringt es mir bzw. uns, wenn wir uns nach Feierabend in die Laufschuhe quälen, um eine Runde um den Block zu hecheln. Dann kann ich auch wieder aufs Fahrrad steigen. Klar ist nicht jede Einheit super, aber ich liebe es mittlerweile meinen Körper in kurzer Zeit auszupowern oder neue Trails vor der Haustüre zu entdecken. Auf Entdeckungstour zu gehen, mich zu bewegen und nach einem Tag vor dem Bildschirm durch den Wald zu laufen, den Kopf durchzupusten und für einen kurzen Moment die Einfachheit dieser minimalistischen Bewegungsform zu genießen. Meditation in Bewegung, quasi.
Und jetzt: Ab nach draußen! Oder am 2. Mai zum sportingWOMEN Run nach Augsburg!


